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Lesezeit: 5 Min.
04/05/26

Digitale Souveränität: Alles, was du wissen musst

Stell dir vor, du hättest die volle Kontrolle über alle digitalen Prozesse in deinem Unternehmen – von deinen Daten bis hin zur Software, die du täglich nutzt. Klingt selbstverständlich? Ist es in der Realität leider oft nicht. In einer Welt, die zunehmend von großen Tech-Giganten dominiert wird, wird das Thema digitale Souveränität zu einer der wichtigsten strategischen Fragen für Unternehmen jeder Größe.

Definition: Was ist digitale Souveränität?

In seiner Schwerpunktstudie von 2021 definiert das Bundeswirtschaftsministerium (BMWI) digitale Souveränität – englisch: digital sovereignty – als 

wichtigen Teilaspekt allgemeiner Souveränität, der die Fähigkeit zur unabhängigen Selbstbestimmung in Bezug auf die Nutzung und Gestaltung digitaler Systeme selbst, der darin erzeugten und gespeicherten Daten sowie der damit abgebildeten Prozesse umfassen.”

Es geht also darum, dass du als Unternehmen die volle Kontrolle über deine digitalen Plattformen, Daten und Prozesse behältst. Du entscheidest darüber, wie Informationen verarbeitet werden und wer Zugriff auf sie hat, anstatt dich auf die Vorgaben externer Anbieter verlassen zu müssen. 

Dabei geht es nicht darum, sich komplett von der Außenwelt abzukapseln. Vielmehr ist es die Fähigkeit, digitale Systeme selbstbestimmt und kompetent zu nutzen, ohne in eine einseitige Abhängigkeit zu geraten – und für die Zukunft handlungs- und wettbewerbsfähig zu bleiben.

Warum digitale Souveränität gerade jetzt wichtig ist

Es sind turbulente Zeiten. Wir erleben geopolitische Krisen, Kriege, den Aufstieg künstlicher Intelligenz und gewaltige Machtmonopole der US-Giganten im digitalen Sektor. Und mittendrin ein Europa, das zunehmend unabhängiger und selbstbestimmter werden will – auch im digitalen Raum. Dass das Thema gerade brennt, hat verschiedene Gründe:

 

  • Hohe Abhängigkeit deutscher Unternehmen: Laut dem Branchenverband Bitkom importieren 96 Prozent der Firmen digitale Technologien und Services aus dem Ausland. Nur ein Viertel tritt selbst als Anbieter gegenüber ausländischen Unternehmen auf. Besonders kritisch: 92 Prozent finden, dass die deutsche Wirtschaft zu stark vom Ausland abhängig ist. Tatsächlich sieht sich die Mehrheit der Unternehmen, die digitale Leistungen aus dem Ausland beziehen, nicht länger als ein Jahr ohne diese Digital-Importe überlebensfähig.

 

  • Geopolitische Spannungen: Handelskonflikte und nationale Gesetzgebungen wie der US-amerikanische Cloud Act verschärfen die Lage. Dieser erlaubt US-Behörden den Zugriff auf Daten von US-Unternehmen, selbst wenn diese auf Servern in Europa liegen. So erklärte ein Manager von Microsoft laut dem Swiss IT Magazine, dass nicht garantiert werden könne, dass keine Daten an US-Behörden weitergegeben werden. Digitale Souveränität bedeutet, sich gegen solche externen Zugriffe auf Daten abzusichern.

 

  • Rechtliche Rahmenbedingungen & Unsicherheit: Mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), das am 28. Juni 2025 in Kraft tritt, werden digitale Standards für Produkte und Dienstleistungen Pflicht. Doch die eigentliche Herausforderung liegt im Datentransfer. Seit dem Schrems-II-Urteil, das den Privacy Shield kippte, sowie durch den neuen EU Data Act, stehen Unternehmen vor strengen Hürden beim Datenaustausch mit Drittländern. Wer hier keine souveränen Lösungen nutzt, riskiert massive Rechtsverstöße.
Amazon, Google und Microsoft beherrschen rund 65 Prozent des weltweiten Cloud-Marktes.

Derzeit beherrschen die drei Tech-Konzerne Amazon, Google und Microsoft 65 Prozent des weltweiten Cloud-Marktes, berichtet der Deutschlandfunk. Der größte europäische Anbieter hat derweil in der EU einen Marktanteil von gerade einmal zwei Prozent. Und bei Künstlicher Intelligenz stammen etwa 70 Prozent der Basismodelle aus den USA.

Vendor Lock-in & Co. – die Risiken fehlender digitaler Souveränität

 

  • Preisdiktat durch Anbieterbindung („Vendor Lock-in”): Viele Unternehmen realisieren erst zu spät, wie schwer und teuer es ist, einen etablierten Cloud- oder Software-Anbieter im Nachhinein wieder zu wechseln. Diese Abhängigkeit führt zu einem Kontrollverlust über die eigene IT-Infrastruktur – und die Preisgestaltung, da Unternehmen den Preiserhöhungen ihres Anbieters schutzlos ausgeliefert sind.

     
  • Datenschutz-Dilemma: Du verlierst oft die Kontrolle darüber, wo deine Daten gespeichert werden – ein kritisches Thema im Hinblick auf die DSGVO.

     
  • Innovationsstopp: Du bist darauf angewiesen, dass dein Anbieter neue Funktionen entwickelt. Wenn er schläft, schläft auch dein Business.

     
  • Sicherheitsrisiken: Abhängigkeiten von proprietärer Software erschweren es oft, eigene Sicherheits- und Inklusionsstandards durchzusetzen.

     
  • Existenzbedrohung: Entscheidet ein Anbieter, deine Plattform abzuschalten, hast du keine Hebel. Im schlimmsten Fall machst du enorme Verluste – sowohl am US-Markt als auch am europäischen Markt.

Vorteile & Chancen von digitaler Souveränität

Sich aus technologischen Abhängigkeiten zu lösen, ist weit mehr als eine reine Risikoabsicherung. Es ist ein strategischer Befreiungsschlag, der deinem Unternehmen echte Wettbewerbsvorteile verschafft:
 

  • Maximale Flexibilität und Skalierbarkeit: Du bleibst agil und kannst Systeme nutzen, die sich an deine Geschäftsprozesse anpassen – nicht umgekehrt. Souveräne Lösungen lassen sich nahtlos erweitern, ohne dass du auf die Roadmap eines einzelnen Herstellers warten musst.
     
  • Erhöhte Resilienz und Business Continuity: Durch die Streuung deiner technologischen Basis (z. B. Multi-Cloud) stellst du sicher, dass dein Betrieb auch dann weiterläuft, wenn ein einzelner Anbieter ausfällt, seine Preise drastisch erhöht oder den Dienst in deiner Region einstellt. Du bist weniger anfällig für externe Schocks.
     
  • Nachhaltige IT-Infrastruktur: Der Einsatz von Lösungen, die auf offenen Standards basieren, sichert die langfristige Wartbarkeit deiner digitalen Präsenzen. Du verringerst den „Legacy-Ballast“, da offene Schnittstellen den Austausch einzelner Komponenten erleichtern.
     
  • Datenschutz als Qualitätsmerkmal: In einer Zeit, in der User*innen immer sensibler auf Datennutzung reagieren, wird Souveränität zum Vertrauensanker. Wer nachweisen kann, dass Daten in geschützten, europäischen Instanzen liegen, punktet bei Kund*innen und Partnern.
     
  • Stärkung der lokalen Innovationskraft: Indem du auf europäische Anbieter und Open-Source-Technologien setzt, förderst du ein gesundes digitales Ökosystem vor Ort. Das verringert den Kapitalabfluss in Richtung außereuropäischer Monopole und stärkt die Innovationskraft deines eigenen Standorts.
     
  • Inklusion & Image: Souveräne Unternehmen haben die Freiheit, ihre digitalen Angebote kompromisslos barrierefrei zu gestalten. Das erhöht nicht nur die Reichweite, sondern zahlt direkt auf ein modernes, verantwortungsbewusstes Markenimage ein.

Tipps, wie du die digitale Souveränität deines Unternehmens verbesserst

  • Souveräne DXP- und CMS-Lösungen wählen: Setze auf Systeme, die dir die volle Kontrolle über deine Architektur geben.
    • Ibexa DXP: Ideal für komplexe B2B-Szenarien, kombiniert Content, E-Commerce und Personalisierung in einer Plattform, die volle Datensouveränität ermöglicht.
       
    • Magnolia DXP: Bietet eine modulare "Best-of-Breed"-Architektur. Du entscheidest, welche Drittsysteme du integrierst, statt in einer geschlossenen Suite gefangen zu sein.
       
    • Sulu CMS: Ein hochflexibles, auf Symfony basierendes Open-Source-CMS, das Entwickler*innen maximale Freiheit lässt und perfekt für individuelle Business-Anforderungen skalierbar ist.

 

  • Multi-Cloud und Hybrid-Cloud Ansätze: Lege nicht alle Eier in einen Korb. Kombiniere die Leistungsfähigkeit großer Hyperscaler für unkritische Prozesse mit lokalen oder europäischen Anbietern, um die Kontrolle über geschäftskritische Workflows zu behalten.

     
  • Fokus auf Open Source: Nutze quelloffene Software als Fundament deiner IT. Da der Code öffentlich einsehbar ist, bleibst du unabhängig von proprietären Codes und verhinderst, dass Anbieter Funktionen nach Belieben abschalten oder einschränken können.

     
  • Datenklassifizierung einführen: Nicht jede Datei ist „streng geheim”. Strukturiere deine Daten: Unkritische Daten können kosteneffizient in Public Clouds liegen. Geschäftskritische Daten wie geistiges Eigentum (IP) oder sensible Kund*innen-Daten gehören jedoch On-Premises oder in souveräne europäische Clouds.

     
  • Barrierefreiheit mitdenken: Nutze Tools, die Barrieren abbauen, statt neue zu schaffen. Das sorgt für eine bessere User Experience für alle.
     
Stilistische Rose
Sebastian Henne
Geschäftsführung

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Gerne gehen wir mit dir verschiedene Ansätze für Webauftritte, Portale oder Apps durch und unterstützen dich bei der Auswahl der passenden DXP- oder CMS-Lösung – von Sulu über Magnolia bis hin zu Ibexa.

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